Florilegium
Leises Rascheln, zarte Äste,
nackte Haut und Haare.
Der Ast trennt sich von ihnen,
die weiche, schwere Hand,
(die gleiche: welche das Kind streichelte,
den Stoff befühlte, die Träne wegwischte),
genau diese sammelt die kleine gerippte Fläche auf,
legt es bewußt zu den anderen,
sortiert und befestigt es mit feinem Faden
und spitzer Nadel,
obwohl doch mehrere schwermütige Männer
die Vergänglichkeit am Beispiel des feuille morte
besangen und Blumen sprechen ließen,
war es Anfang und Ende zugleich.
Anima Vegetativa
Aus den zierlichen Trieben
entrollt sich zartgrünes Gewebe,
fächert sich auf,
saugt sich durstig voll.
Ausgewachsen mit ledriger Oberfläche,
flirren an Rändern winzige, feine Haare
und säumen die zackigen Kanten.
Der flaumige Stiel windet sich
ohne Umschweife
in Richtung der Strahlen,
suchen sich ihre Adern Wege
auf glänzender Spreite,
deren Spitzen sich verjüngen ,
während ovale Seiten breit ruhen.
Fast nie allein,
in Symmetrien
entlang der Astreihen,
sie strahlen,
sie absorbieren.
Als Hauptversorgerinnen,
Nährstoffe spenden
an das noch bedürftige System,
das verwandeln, was da ist,
in das, was gebraucht wird:
süß und frisch.
Der egoistische Zweig
trennt sich jäh von ihnen.
Leicht und flach,
trägt Wind sie
in feierlichen Bögen
über glühende Körper
und gestreckte Glieder,
während Blütenkelche
kaum hörbar rascheln.
Anima Vegetativa II
Das Gewebe ist selbstlos
und mächtig zugleich-
mit süßem Zucker
und frischem Sauerstoff.
Es schwitzt, es arbeitet,
es tanzt im Wind.
Die Demoiselle ist selbstlos
und mächtig zugleich-
mit unkontrollierbaren Gliedern
und glühenden Hautflächen,
nicht die Erwartung
des Blicks zu erfüllen.
Obwohl doch mehrere
schwermütige Männer
die Vergänglichkeit
am Beispiel des feuille morte
besangen und Blumen sprechen ließen,
war es Anfang und Ende zugleich.
(Fid. Fischer)